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Geburt auf Bestellung
2002-11-04, von Sigrun Rux
 Sigrun Rux
Info zum Autor 
KaiserschnittDie Wehen kommen regelmäßig. Nun heißt es ab in die Klinik, hinein in die Badewanne, beruhigende Worte der Hebamme, wenn die Schmerzen unerträglich werden. Schließlich noch die letzten Presswehen, und dann endlich: es ist da !

So in etwa sieht eine ganz normale, herkömmliche Geburt aus. Nicht alle Frauen legen jedoch Wert darauf, ihr Kind nach der guten, alten Art auf die Welt zu bringen, denkt man zum Beispiel an Hollywoodgrößen wie Madonna & Co. Hier wird nichts dem Zufall überlassen, die Geburt wird auf die Stunde genau geplant.

Vor allem prominente und karrierebewusste Frauen bevorzugen immer öfter, die Geburt ihres Kindes auf dem Operationstisch anstatt im Kreißsaal zu verbringen. Fast generalstabsmäßig wird dieses Ereignis geplant und von einem erfahrenen Operationsteam durchgeführt. Der Neuankömmling braucht sich nicht stundenlang durch den Geburtskanal zu plagen, sonder erblickt das Licht der Welt durch die Bauchdecke zum exakt festgelegten Zeitpunkt.

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Neben dem immer selbstverständlicher werdenden High Tech in den Kreißsälen lässt sich nun auch in der „Normalbevölkerung“ weltweit ein verstärkter Trend in Richtung Kaiserschnitt beobachten. Unter dem Slogan“ Saving-the-Love-Channel“ wurde von England aus die Wunsch-Sectio schon vor Jahren mit Erfolg propagiert. In Südamerika beträgt die Kaiserschnittrate in manchen Spitälern 100 Prozent, durchschnittlich liegt sie etwa bei 50 Prozent. Und mittlerweile ist der Wunsch nach einer planmäßigen Geburt auch in Österreich nicht mehr ausschließlich der zahlungskräftigen Klientel in Privatkliniken vorbehalten, auch Frauen, die nicht zusatzversichert sind, können heute einen Kaiserschnitt verlangen – und werden ihn zumindest in manchen Geburtkliniken bekommen. Auch dann, wenn rein medizinisch gesehen gar nichts gegen eine „normale“ Geburt spricht.

Was bewegt nun Frauen eigentlich, sich freiwillig den Bauch aufschneiden zu lassen um ihr Kind zu bekommen ? Univ.-Prof. Dr. Peter Husslein, Vorstand der Frauenklinik im Wiener AKH, kennt einige Gründe dafür. „Der häufig geäußerte Wunsch nach einer Schnittentbindung lässt sich einerseits durch die Angst vor den Geburtsschmerzen erklären“, resümiert der Gynäkologe, „gleichzeitig befürchten aber immer mehr Frauen eine Beeinträchtigung ihres Beckenbodens sowie sexuelle Probleme als Folgen der Vaginalgeburt.“

Vor allem letztere gehören zu den bisher weniger beachteten und oft tabuisierten Nachteilen, die manchen Frauen nach der Geburt zu schaffen machen. Aber nicht nur die Angst vor übermäßigen Strapazen erklärt die neue Beliebtheit der „sectio caesarea“, die sich nach Terminkalender planen lässt. In den westlichen Industrieländern hat die perfekte Lebensplanung, wo alles von der beruflichen Karriere bis hin zum Wunschkind seinen festen Platz hat, auch der Geburtshilfe neue Dimensionen verliehen.

Schließlich müssen Kind und Beruf bei vielen Frauen von Anfang an aufeinander abgestimmt werden. So wie zum Beispiel bei Ingrid aus Perchtoldsdorf: Die selbständige Immobilienmaklerin hat sich mit 36 zu ihrem ersten Kind entschlossen und möchte keinesfalls ein Risiko eingehen. „Außerdem muss ich mich trotz Kind um meine Firma kümmern“. Statt des errechneten Geburtstermins am 6. August soll Ingrids Baby nun schon zwei Wochen früher das Licht der Welt erblicken, damit wichtige Termine nicht allzu sehr hinausgeschoben werden müssen. Ingrids Gynäkologe kann das ohne weiteres verantworten.

Geburt per KaiserschnittDie Gründe, warum Ärzte einer Frau auch ohne Indikation den Bauch aufschneiden, liegen auf der Hand: Für viele Gynäkologen ist die Sectio – wie der Kaiserschnitt im Fachjargon genannt wird - einfach die schnellere – und bequemere Alternative. Vaginalgeburten sollten daher den Schnittentbindungen auch finanziell gleichgestellt werden, fordert Husslein, denn jede Geburt sei ja auch gleich viel wert. Und das wurde immerhin - zumindest für Wiener Ärzte - erreicht.

Es gibt aber auch Gynäkologen, die einer Sectio ohne Indikation prinzipiell ablehnend gegenüber stehen. Für Univ.-Prof. Dr. Karl Philipp, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe im Wiener Donauspital, liegt das Problem in Bezug auf die Wunsch-Sectio und der Planbarkeit der Geburt zu einem festgelegten Zeitpunkt im radikalen Eingriff in den fetalen Organismus. Untersuchungen zeigen, dass nicht nur der Körper der Mutter den Startschuss für die Geburt gibt, sondern dass auch das Ungeborene einen wesentlichen Einfluss darauf hat. Wird in diesem sensiblen Kreislauf eingegriffen, können infolge der Lungenunreife gravierende Anpassungsprobleme wie zum Beispiel Atemnot beim Neugeborenen auftreten, vor allem, wenn die Sectio zu früh angesetzt wird. Deshalb empfiehlt Philipp den Eingriff, wenn möglich, erst nach zwei bis drei Stunden natürlicher Wehentätigkeit durchzuführen. Womit jedoch eine wesentliche Motivation, nämlich die genaue Planbarkeit eines Kaiserschnitts wegfällt.

Auf jeden Fall sollte die Notwendigkeit, einen Kaiserschnitt vorzunehmen, immer sorgfältig geprüft werden. Schon allein deshalb, weil die Mutter wieder schneller fit ist, wenn sie ihrem Kind auf natürlichem Weg das Leben schenkt.

Kreisssaal„Selbstverständlich können auch medizinische Gründe für eine Sectio sprechen“, argumentiert Husslein, „wie mit den Indikationen für eine Schnittentbindung dann tatsächlich umgegangen wird, ist aber von Klinik zu Klinik verschieden.“ So ist zum Beispiel die Beckenendlage eines Kindes für viele erfahrene Geburtshelfer kein grundsätzliches Hindernis für eine vaginale Geburt, besonders dann, wenn die werdende Mutter bereits ein Kind geboren hat, ausschlaggebend ist jedoch, ob sie trotzdem eine Geburt auf normalem Weg wünscht. „Die Zeiten, wo nur der Arzt über den Geburtsmodus entscheidet, sind vorbei“, befürwortet der Wiener Gynäkologe die gemeinsame Entscheidung über die Wahl der Geburtsmethode, „zur optimalen Schwangerenbetreuung gehört in erster Linie, die Wünsche und die Vorstellungen der Frau in bezug auf die Geburt ihres Kindes voll zu respektieren. Dass diese Argumentation bei Zwillingsgeburten weniger Aussagekraft hat, wissen nur Eingeweihte (Anm. der Redaktion)

Für eine Reihe von Ärzten gibt es noch weitere Gründe, die für den Kaiserschnitt auf Wunsch sprechen: Durch die Periduralanästhesie kann das Geburtserlebnis auch beim Kaiserschnitt ohne Schmerzen mitverfolgt werden. Wenn keine sonstigen Komplikationen auftreten, darf auch der Vater beim freudigen Ereignis life mit dabei sein, und wenn das Baby geboren ist, wird es der frischgebackenen Mutter auch gleich auf den Bauch gelegt.

Kein Grund zur Sorge besteht übrigens auch, wenn die Schnittentbindung in Vollnarkose durchgeführt wird, denn die Narkotika sowie andere Medikamente werden erst so knapp wie möglich vor dem Eingriff verabreicht, damit sie dem Baby keinesfalls schaden. Dank der „sanften Chirurgie“ haben auch Kaiserschnittmütter keine großen kosmetischen Beeinträchtigungen zu befürchten. Lediglich eine kleine Narbe in der Bikinizone bleibt als Souvenir erhalten. Und wenn der Storch wieder zuschlägt, ist es auch nach einer Kaiserschnittgeburt möglich, es beim nächsten Mal anders zu probieren.

Trotz anhaltend steigender Kaiserschnittzahlen glaubt Philipp allerdings nicht, dass sich der Trend zum Kaiserschnitt weiter fortsetzen wird, denn heute gelte eine vaginale Geburt als absolut sicher. „Es ist etwas ganz normales auf die Welt zu kommen, warum sollte es dann nicht auf dem natürlichen Weg geschehen“, meint der Geburtshelfer mit jahrelanger Erfahrung. Durch die modernen Möglichkeiten der fetalen Überwachung von Mutter und Kind während der Geburt, wie zum Beispiel das CTG, das die Wehen und die Herztöne des Kindes aufzeichnet, können bereits die ersten Anzeichen einer Gefahr sofort erkannt werden, und das Geburtshilfeteam kann sofort darauf reagieren.

Auch vor den Geburtsschmerzen braucht sich heute keine Frau mehr zu fürchten, da auch bei der Vaginalgeburt mit Hilfe von Medikamenten sowie der Periduralanästhesie (PDA), einer örtlichen Betäubung bestimmter Nerven im Beckenbereich, Schmerzen gelindert bis ganz ausgeschalten werden können. “ Die Beckenbodenmuskulatur wird durch eine vaginale Geburt allerdings nicht besser“, pflichtet Philipp seinen Kollegen bei, „die möglicherweise daraus resultierenden Probleme beim Orgasmus sind in Zeiten der sexuellen Emanzipation der Frau mit Sicherheit ein Thema“. Trotzdem: Durch gezieltes Beckenbodentraining lassen sich zumindest Beschwerden, die vielleicht später einmal zu Harninkontinenz oder Gebärmuttersenkung führen können, einigermaßen verhindern.

Und wie sieht es mit den Risiken für die Mutter aus ? Obwohl der Schnittentbindung heute dank ausgereifter Operationstechnik und modernen Narkoseformen der Schrecken von einst weitgehend genommen werden konnte, ist sie doch mit deutlich mehr Risikofaktoren verbunden als eine Vaginalgeburt. Eine große Gefahrenquelle sind nach wie vor starke Blutungen. Die Hauptkomplikationen wie Infektionen oder Thrombosen sind zwar nach einer Schnittentbindung häufiger, allerdings können vorbeugende Maßnahmen das Risiko sehr gering halten. Viele frischgebackene Kaiserschnittmütter berichten von Kopfschmerzen, die sie noch tagelang im Wochenbett begleiten. Auch der Wundschmerz trübt das Mutterglück in den ersten Tagen nach der Geburt . Außerdem ist die Rückbildung nach einer Sectio etwas verlangsamt, das bedeutet, bis der Bauch wieder zufriedenstellend flach ist, muss sich frau in Geduld üben.

Mutter-Kind-BeziehungMit Sicherheit lässt sich eines behaupten: Erspart bleibt einem so oder nichts. Die einen müssen sich mit stundenlangen Wehenschmerzen quälen, sind aber dafür nachher schneller fit, und die anderen schlagen sich nach der Geburt mit Wundschmerz und Kopfweh herum.

Wie auch immer eine Frau ihr Kind auf die Welt bringt – irgendwie muss es auf jeden Fall heraus. Was man dafür bekommt, ist ausschlaggebend und das wiederum nimmt sämtlichen Pro-und Contra Kaiserschnittdiskussionen letztlich den Wind aus den Segeln. Wann raten Gynäkologen zum Kaiserschnitt:

  • Lageanomalie, z.B. Beckenend – oder Querlage
  • einer Mehrlingsgeburt (abhängig von der Lage der Kinder und davon, ob die Frau schon Kinder geboren hat)
  • Ausbleiben der Wehen
  • Plazenta praevia (die Plazenta versperrt die Geburtswege)
  • schlechte Voraussetzungen für vaginale Geburt : etwa wenn der Kopf des ungeborenen Kindes sehr groß oder das mütterliche Becken zu eng ist
  • sämtlichen Notständen bei Mutter oder Kind (z.B. Sauerstoffmangel) , die eine rasche Beendigung der Geburt erforderlich machen
  • Behinderung des Kindes

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