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Versteckter Schatz: der Beckenboden
2003-11-04, von Sigrun Rux
 Sigrun Rux
Info zum Autor 
Die Bedeutung des Beckenbodens wurde lange Zeit unterschätzt, beziehungsweise schlicht ignoriert. Dabei ist diese handtellerdicke Platte eine der wichtigsten Muskelgruppen des ganzen Körpers. Ein wohl trainierter, täglich aktiver Beckenboden kann Blasen-und Gebärmuttersenkung sowie Inkontinenz (unfreiwilliger Verlust) von Harn und Stuhl verhindern oder zumindest lindern. Man sagt auch, dass der Lustgewinn beim Sex alles, was Tao, Tantra, Kamasutra und ihresgleichen zu versprechen pflegen, bei weitem übersteigt, wenn die Beckenbodenmuskulatur trainiert ist.

Die Bedeutung des Beckenbodens für den Rücken ist ebenfalls nicht zu unterschätzen. In 95 von 100 Fällen verschwinden diffuse Kreuzschmerzen durch gezieltes Beckenbodentraining. Einer der häufigsten Gründe für einen geschwächten Beckenboden: Dammschnitt bei der Geburt. Ein Kaiserschnitt durchtrennt ebenso radikal die Muskulatur. Manchmal liegen die (psychischen) Ursachen aber auch viel weiter zurück. Wenn in der Familie alles südlich des Nabels als Tabuzone galt, ist es kein Wunder, wenn sich der Beckenboden sozusagen dem Fühlbereich entzieht, davon sind aufgeschlossene Hebammen überzeugt. Und viele Ärzte hätten für das Beckenbodentraining auch heute oft nur ein müdes Lächeln übrig. Sie überlassen sie den wichtigsten Zwischenboden im Hochhaus Mensch bestenfalls den Hebammen im Schwangerschaftsturnen.

Beckenbodenbeschwerden - was ist das ?

Ohne Beckenboden würden vermutlich die Organe des Bauchraumes lose herumhängen und nach unten fallen. Dank seines komplizierten Aufbaus in drei Schichten wird jedoch unsere Bauchhöhle nicht nur nach unten hin abgeschlossen und die darüber liegenden Organe wie Gebärmutter und Blase gestützt, wir können mit Hilfe des Beckenbodens auch unsere Schließmuskeln willkürlich bewegen. Beckenbodenbeschwerden entstehen, wenn das Beckenbodengewebe zu weich und nachgiebig ist oder weil sich eine starke Verspannung im Becken aufgebaut hat.

Ersteres kann bis zu einer kaum kontrollierbaren Harn-und Stuhlinkontinenz führen. Gelegentlich treten auch Rücken-, Hals und Nackenverspannungen bis hin zu Kopfschmerzen auf. Bei einer starken Gebärmuttersenkung treten sogar manchmal die Scheidenwände oder die Gebärmutter aus dem Scheideneingang heraus. Zu einem derart drastischen Beschwerdebild muss es nicht kommen, wenn man bereits die ersten Veränderungen wahrnimmt. Für viele lautet jedoch die Devise: Bloß kein Aufhebens machen. Hauptsächlich jüngere Frauen scheuen den Weg zum Arzt, weil sie befürchten durch dieses Bekenntnis einen Teil ihrer weiblichen Attraktivität und "Funktionalität" einzubüßen.

Mit konsequenter gymnastischer Eigenarbeit können die meisten Frauen ihre Beschwerden wegturnen oder sie zumindest so verringern, dass sie ein normales Leben führen können. Bei einer leichten Beckenbodenschwäche beobachten Frauen häufig ein weicheres, offeneres Gefühl in bezug auf die Scheide. Beim Versuch durch Zusammenkneifen mehr Kraft in diese Weichheit zu schicken, spüren die meisten keine Besserung. Die verminderte Anspannungskraft wird den meisten beim Geschlechtsverkehr bewusst. „Die Scheide wird im allgemeinen als so geräumig empfunden, dass die Frau den Penis des Mannes nur beim Eindringen spürt“, schildert Nancy Gray, Hebamme und Beckenbodentrainerin aus Texas ihre Empfindungen überaus anschaulich. Dieses Bild einer lockeren Scheide und eines kraftlosen Beckenbodens sei so häufig, dass amerikanische Sexualforscher es "Lost-penis-syndrom“ nennen. Durch gezieltes Training kann frau jedoch lernen, die Kraft der Beckenbodenmuskeln zu steigern, und so ein intensiveres Sexualleben zu entwickeln.

Beckenboden nach Schwangerschaft und Geburt:

In der Schwangerschaft wird die Gebärmutter samt Plazenta, Fruchtwasser und dem heranwachsenden Kind vom knöchernen Becken getragen und von den Beckenbodenmuskeln unterstützt. Beim Geburtsvorgang werden diese Muskelgruppen vom Kopf des Kindes vor den Beckenboden geschoben und auseinandergedehnt. Je entspannter der Beckenboden während der Geburt ist, desto leichter verläuft vor allem die letzte Phase der Geburt. Beckenbodenübungen während der Schwangerschaft sind daher wichtig für eine gute Geburtsvorbereitung.

Direkt nach der Geburt befindet sich der Körper der Mutter in einem regelrechten Ausnahmezustand. Durch die enorme Dehnung der Beckenbodenmuskeln verlieren wir meistens das Gefühl für die einzelnen Gewebsteile und können sie nicht willentlich benutzen. Völlig falsch wäre es, in diesem Zustand die Bauchmuskeln zu trainieren, ein Bedürfnis, das viele Frauen gleich nach der Geburt haben, da sie möglichst bald wieder so wie vorher aussehen möchten. Dass dieses Training besonders schädlich für den Beckenboden und Ursache vieler späterer Senkungsbeschwerden ist, wissen nur die wenigsten. Normalerweise kehrt die Fähigkeit, den Beckenboden kraftvoll zu halten, etwa ab dem dritten Tag nach der Geburt allmählich wieder zurück. Zunächst sollten sich die Übungen lediglich auf das vorsichtige "Wieder-Erspüren" des Beckenbodens durch ein kurzes "Anticken" und sofort wieder "Entspannen" beschränken. Nach und nach folgen Übungen, die sehr gut im Liegen gemacht werden können und wobei auch der Kreislauf angeregt und gleichzeitig einer Thrombose vorgebeugt wird (z.B. Fußkreisen).

Was stärkt und was schwächt den Beckenboden ?

Frauen, die sich sportlich betätigen, haben generell seltener Beckenbodenbeschwerden. Nicht jede Sportart ist jedoch zur Kräftigung des Beckenbodens geeignet, da dieser durch manche Bewegungen eher belastet wird. Fersenbetontes Aufspringen wie zum Beispiel beim Tennis oder Volleyball übt einen ungeheuren Druckimpuls auf das Beckenbodengewebe aus und setzt daher einen starken Beckenboden voraus. Auch regelmäßiges Joggen kann das Entstehen von Gebärmuttersenkungen oder Inkontinenzbeschwerden ungünstig beeinflussen, da ebenfalls Druck und Erschütterung auf den Beckenboden erzeugt wird. Fast Walking ist dagegen eine tolle Gangart zur Fettverbrennung und stärkt gleichzeitig den Beckenboden. Auch Inline-Skating oder Tanzgymnastik sowie generell Sportarten, die eine aufrechte Körperhaltung fördern, festigen den ganzen Körper und insbesondere das Becken.

Beim Gehen sollte man sich angewöhnen, den Beckenboden leicht anzuziehen, das Gesäß selber soll dabei aber vollkommen entspannt bleiben. Die Muskulatur der Oberschenkel wird dadurch nach oben gezogen, gestrafft und gedehnt, Resultat ist die Verbesserung selbst hartnäckiger Cellulite als angenehmer Begleiterscheinung. Daneben gibt es zahlreiche Übungsprogramme, die nicht nur das Bewusstsein für den Beckenboden und die verfügbare Muskelkraft erkennen lassen, sondern auch die Beckbodenmuskulatur nachhaltig stärken.

Beckenbodengymnastikkurse auch außerhalb der Schwangerenbetreuung und Wochenbettgymnastik werden mittlerweile recht häufig angeboten. Die Teilnahme an solchen Kursen ist für Frauen mit sexuellen Verspannungen oft ein Wendepunkt. Faulheit gilt jedoch nicht ! Um Erfolge zu spüren, müssen die gelernten Übungen jedoch täglich eine halbe Stunde durchgeführt werden. Möglichkeiten dazu ergeben sich den ganzen Tag und überall: morgens im Bett, während der Autofahrt ins Büro, im Haushalt. Ohne es zu wissen, belasten viele Mütter ihren Beckenboden beim Schieben des Kinderwagens, weil sie dabei leicht nach vorne gebückt anstatt aufrecht gehen. Auch das Heben und Tragen schwerer Gegenstände begünstigt einen schwachen Beckenboden. Beim Aufheben von Gegenständen sollte man immer mit aufrechtem Rücken in die Hocke gehen und auch so gerade wieder aufstehen.

Beckenboden und Liebesspiele: Gut trainiert wird Ihr Beckenboden selbstverständlich auch Ihr Sexualleben anreichern. Geübte "Beckenbodianer" schwärmen von mehr Ausdauer und schnelleren Erholungszeiten, was der simple Beweis dafür ist, dass schon Adam seinen Beckenboden bewusst einsetzen konnte. "Beckenbodianerinnen" berichten von einer wunderbaren, zarten Macht, die sie über ihren Partner ausüben können und über die daraus resultierenden multiplen Orgasmen. Und jene, die Inkontinenz und Hämorrhoiden loswurden, haben einfach wieder Spaß an der körperlichen Liebe. Was sie beim Tete-a-tete mit ihrem Beckenboden oder jenem Ihres Partners anstellen, sei Ihnen überlassen. Keine Angst, der Mann wartet auf die beckenbodenstarke Frau !

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