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Eineiig - oder doch nicht ?
2004-12-27, von Sigrun Rux
 Sigrun Rux
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Immer noch verabsäumen es viele Ärztinnen und Ärzte, die Eiigkeit von Zwillingen rechtzeitig im Ultraschall zu bestimmen. Oft wird sogar behauptet, ein Unterschied sei nicht feststellbar. Wird auch nach der Geburt nicht darauf geachtet, die Plazenten und Eihäute zu untersuchen, bleibt nur noch die Analyse mittels Gentest.

Dipl. Biol. Annette Schulz, ehemals Geschäftsführerein des IMGM Laboratories in Martinsried, Bayern ist Mutter von Zwillingen. Sie kennt die Problematik, wenn Zwillingsmütter oft jahrelang darüber im Zweifel sind, ob ihre Zwillinge eineiig sind oder nicht. (Ihre eigenen Zwillingsbuben hat sie übrigens auch getestet). Ich habe sie um ein Interview gebeten.

Zwillinge.at: Ist es Ihrer Meinung nach, wichtig zu wissen, ob Zwillinge eineiig oder zweieiig sind ?

Anette Schulz: Als Zwillingsmutter weiß ich, dass man einfach gern Gewissheit haben möchte. Mittlerweile haben wir viele Analysen durchgeführt, an die 100 in den letzten zwei Jahren. Es erstaunt mich, dass wir sehr oft die selbe Geschichte hören: den Müttern wird gesagt, die Kinder seien zweieiig - viele Ärzte sind immer noch der Meinung, dass zwei Fruchtblasen ein Zeichen für Zweieiigkeit sind - oder sie wissen es nicht. Die Eltern empfinden ihre Kinder als grundverschieden und dementsprechend zweieiig. Dann aber kommen Zweifel auf, weil die Kinder oft verwechselt werden und oft auch viele Entwicklungsschritte ähnlich verlaufen, zum Beispiel gleichzeitiges Zahnen. Von den untersuchten Paaren hatten wir dann bisher nur zwei Paare, die zweieiig waren!! Wobei aber auch klar ist, dass Eltern von eindeutig zweieiigen Zwillingen bei uns nicht nach einer Analyse fragen.

Früher lagen die Preise bei rund 1000 Euro ? Wieso können Sie ihre Analysen günstiger anbieten ?

A. Schulz: Auch andere Labors bieten Eiigkeitsanalysen an, Biotix etwa, Medigenomix oder Papacheck. Diese kosten dann etwa 200 - 300 Euro. Die 1000 Euro stammen noch aus der Zeit, wo die Analysen neu waren und zum Teil noch viel aufwändigere Analysen der Blutgruppenmerkmale zusätzlich durchgeführt wurden. Mittlerweile ist die zusätzliche Analyse von Blutgruppenmerkmalen nicht mehr nötig und die DNA-Analysen werden im Zuge der sich weiter entwickelnden Techniken auch immer einfacher. Wir haben zum Beispiel eine automatisierte DNA-Isolierung aus den Schleimhauttupfern mittels "Roboter". Sollte wirklich noch ein Labor 1000 Euro verlangen, müsste man hinterfragen, wie die Analysen durchgeführt werden! Der Preis scheint mir in der heutigen Zeit nicht mehr realistisch.

Sie bieten Zwillingsanalysen um 150 Euro an. Wie erklären Sie diesen Spezialpreis ?

A. Schulz: Die Verfahren sind mittlerweile immer moderner und schneller geworden – und dadurch auch kostengünstiger. Zwillingsmütter leiden zwar oft jahrelang an der Ungewissheit, scheuen aber dann doch oft die Kosten der Analyse. Deshalb haben wir uns entschlossen, Zwillingsanalysen zu diesem Spezialpreis anzubieten.

Zwillingsanalysen sind aber auch sonst billiger als Vaterschaftstests. Warum ?

A. Schulz: Bei den Vaterschaftsanalysen müssen noch die Wahrscheinlichkeiten berechnet werden. Für die Eiigkeitsdiagnostik ist diese Berechnung wesentlich einfacher. Denn bei eineiigen Zwillingen sind ja alle Systeme exakt gleich.

Erzählen Sie mir etwas über IMGM Laboratories ?

A.Schulz: Wir wurden aus einem Labor für medizinische Genetik ausgegründet, kooperieren aber auch heute noch eng miteinander. Somit haben wir jahrelange Erfahrung in der genetischen Diagnostik im ärztlichen Bereich. Wir führen unter anderem HLA-Typisierungen durch, zum Beispiel für die Aktion Knochenmarkspende Bayern), machen zytogenetische Anaylsen (prä- und postnatal) und molekulargenetische Diagnostik vieler Krankheiten.

Wie beurteilen Sie die Qualität der Analysen ?

A. Schulz: Für die Zwillingsanalysen untersuchen wir immer 16 Mikrosatellitensysteme. Für Vaterschaftstests wird nach den Richtlinien der Bundesärztekammer die Untersuchung von 12 Systemen gefordert, demzufolge haben Sie bei uns ein sehr sicheres Ergebnis. Außerdem wird in unserem Labor auch die fachliche Qualifikation zur Durchführung der Analyse begutachtet.

Das Gespräch führte Sigrun Rux, Chefredakteurin Zwillinge.at

Zwillingsanalyse: wozu?

Die Zwillingsanalyse funktioniert nach dem Prinzip der Vaterschaftstest. Mittlerweile sind aber keine komplizierten Untersuchungen, für die den Kindern Blut abgenommen werden muss, mehr nötig. Ein Abstrich von der Mundschleimhaut genügt, dann kann die Gen-Analyse zu jedem Zeitpunkt durchgeführt werden. Der Vorteil: ein Abstrich der Mundschleimhaut ist schmerzlos und ganz einfach. Zu beachten ist allerdings, dass keine Nahrungsaufnahme innerhalb einer halben Stunde vor der Probenahme erfolgt. In den letzten Jahren sind auch die Kosten für einen solchen Gentest gesunken. Hat man früher noch bis zu 1000 Euro für eine Zwillingsanalyse verlangt, liegen die Preise heute bei rund 300 bis 400 Euro. IMGM Geschäftsführerin Dipl biol. Anette Schulz hat für Zwillingseltern einen Spezialpreis von 150 Euro ausgearbeitet.

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